Artenvielfalt: Wenn Kleingärten verwildern

Sächsische Kleingärten bieten vielen Insekten, Vögeln und kleinen Tieren wichtige Rückzugsorte. Doch dafür ist eine Bewirtschaftung der Parzellen nötig. In leerstehenden Gärten übernehmen schnell unerwünschte Gäste die Oberhand und bedrohen die Artenvielfalt (Foto: Lachlan Gowen/Unsplash)
Kleingärtnern werden durch den Menschen zum Biotop
Allein die Fläche, welche Kleingärtner in Deutschland bewirtschaften, sagt alles über unsere Bedeutung für die Artenvielfalt aus! Es sind stolze 37.540 Hektar (Sachsen 9.000 Hektar). Das Kleingartenwesen in Deutschland wird von einer knappen Million Kleingärtnern und deren Partnern (ca. 2 Millionen Kleingärtner) geprägt und jeder hat eine andere Vorstellung, wie er seinen Garten bewirtschaftet und was er anbauen möchte. Hier ist Vielfalt vorprogrammiert und viele Lebewesen haben ihre Nische zum Überleben im Kleingarten gefunden.
Dabei ist die hohe Artendichte der Kleingärten auf die Bewirtschaftung des Menschen zurückzuführen. Durch die stätige Veränderung der Bewirtschaftung schafft der Kleingärtner immer wieder Freiräume und fördert den Drang zur Eroberung für viele Organismen. In der Natur sind offene Bodenflächen recht selten und werden von vielen Insekten gerne als Brutstätte auserkoren. Diese Gesetzmäßigkeit ist leicht erklärbar, in der Natur entsteht ein Artenreiches Biotop wie z. B. der tropische Regenwald oder eine Wildblumenwiese durch nährstoffarme Böden. So kann keine Art eine übermäßige Dichte erreichen, da jede Pflanze ein Speziallist ist und ein begrenztes Einzugsgebiet für ihre Ernährung hat. Doch unsere Gärten sind natürlich nicht arm an Nährstoffen, hier übernimmt meist unbewusst der Mensch diese Regulation. Dadurch passt sich die Fauna dem Artenreichtum der Flora an.
Archen für Insekten, Vögel und Co.
Kleingärten sind ein Hotspot der Artenvielfalt! Die Vielfalt resultiert aus der Vielzahl der kleinen Minibiotope und bietet somit einer großen Anzahl an Arten ein Rückzugsgebiet. So haben Ringelnattern, Erdkröten, Vögel und unzählige Insektenarten im Kleingarten eine Arche gefunden, aber auch viele Wildpflanzen. Mit der Verinnerlichung des ökologischen Gärtnerns hat der Kleingärtner einen bedeutenden Schritt auf die Natur zu getan. Ökologisch zu gärtnern muss kein Widerspruch zum Ertrag sein, da uns auch viele Tiere und Pflanzen beim Gärtnern unterstützen. So landet so manches Schadinsekt in einem Spinnennetz und erreicht nicht unser Beet.
Fakt ist, in einem Kleingarten befindet sich eine größere Artendichte als in einem Stadtpark oder einem Wald. Die Kulturlandschaft hat sich verändert und je großflächiger unsere Landwirtschaft wird, umso weniger Arten finden dort ihr Auskommen.
Artenvielfalt auf Brachland schwindet schnell
Ein großes Problem, besonders in den Ostdeutschen Bundesländern, ist der Leerstand im ländlichen Raum. Allein in Sachsen beläuft sich dieser zwischenzeitlich auf 1.200 Hektar Gartenland. Ein großer Teil der Kleingartenanlagen ist in der Zeit der industriellen Revolution von 1870 bis 1910 entstanden. Außerdem sind in der Zeit von 1945 bis 1989 in der ehemaligen DDR noch viele Kleingartenanlagen hinzugekommen, um der Bevölkerung einen Ausgleich zur fehlenden Reisefreiheit zu geben. Jedoch wurde hiermit ein enormer Überbestand geschaffen, welcher heute weit über dem tatsächlichen Bedarf liegt. Der Rückbau des Überbestandes geht nur sehr langsam voran und belastet das Kleingartenwesen.
Was geschieht mit der Artenvielfalt, wenn die Bewirtschaftung durch den Menschen endet?
Reproduktionsstarke Pflanzenarten übernehmen den Garten und die Vielfalt schwindet schnell. Das Schwinden der Flora bleibt auch für die Fauna nicht ohne Folgen. Schnell vermehren sich auch Neophyten wie der Japanische Staudenknöterich oder die Kanadische Goldrute und haben von hier aus ein ideales Einfallsgebiet in unsere heimische Natur.
Tommy Brumm, Präsident Landesverband Sachsen der Kleingärtner
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